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Tierisch gut: Haustiere im Pflegeheim

Von Martin Weingart | 05.10.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min.
Tierisch gut Haustiere im Pflegeheim

Für viele ältere Menschen ist ihr Haustier der wichtigste Partner im Alltag. Die Katze, die abends auf dem Schoss schnurrt, oder der Hund, der einen zwingt, an die frische Luft zu gehen – sie sind Seelentröster, Zuhörer und Strukturgeber. Wenn der Umzug ins Pflegeheim ansteht, ist die Angst oft riesig: Muss ich meinen geliebten Bello weggeben? Diese Sorge ist einer der häufigsten Gründe, warum Senioren den notwendigen Heimeintritt so lange wie möglich hinauszögern. Doch die Zeiten ändern sich. Viele Schweizer Pflegeheime haben erkannt, dass Tiere keine Last, sondern eine therapeutische Ressource sind.

Warum Tiere Medizin sind

Studien belegen eindeutig, dass Tiere gut tun. Das Streicheln eines Fells senkt nachweislich den Blutdruck und die Herzfrequenz. Tiere werten nicht, sie kritisieren nicht, sie sind einfach da. Für Menschen, die sich einsam fühlen oder unter Depressionen leiden, ist ein Tier oft der einzige Anker. Auch bei Demenz zeigen Tiere erstaunliche Wirkungen. Menschen, die kaum noch sprechen oder in ihrer eigenen Welt leben, reagieren oft instinktiv auf Tiere. Sie lächeln, beginnen zu streicheln oder sprechen plötzlich wieder klare Sätze mit dem Hund. Tiere öffnen Türen zur Seele, die für Menschen oft verschlossen bleiben. Sie vermitteln das Gefühl, gebraucht zu werden.

Regeln für das Mitbringen

Ob das eigene Haustier mit ins Pflegeheim ziehen darf, hängt von der jeweiligen Institution ab. Es gibt mittlerweile viele tierfreundliche Heime, aber es gelten meist klare Regeln. In der Regel muss der Bewohner noch in der Lage sein, das Tier weitgehend selbst zu versorgen. Das bedeutet Füttern, Katzenklo reinigen oder Gassi gehen. Das Pflegepersonal hat meist keine Kapazität für Tierpflege. Zudem muss das Tier sozialverträglich sein. Der Hund darf nicht dauernd bellen oder aggressiv sein. Wichtig ist auch der Plan B: Es muss geregelt sein, was passiert, wenn der Bewohner krank wird oder verstirbt. Wer nimmt das Tier dann? Eine Patenschaft oder eine Vereinbarung mit Angehörigen ist oft Voraussetzung.

Besuchsdienste und Alternativen

Wenn die Mitnahme des eigenen Tieres nicht möglich ist, etwa weil der Pflegebedürftige bettlägerig ist, gibt es Alternativen. Viele Heime halten eigene Institutionstiere. Das sind Katzen, Vögel oder Kaninchen, die im Heim leben und allen Bewohnern gehören. Zudem arbeiten viele Heime mit Besuchsdiensten zusammen. Freiwillige kommen regelmässig mit geprüften Therapiehunden vorbei. Diese Besuche sind oft die Highlights der Woche. Für Bewohner, die allergisch sind oder Angst vor echten Tieren haben, gibt es sogar technologische Lösungen wie Paro, die therapeutische Roboter-Robbe. Sie reagiert auf Ansprache und Berührung und löst ähnliche Fürsorgereflexe aus wie ein echtes Tier. Wenn Ihnen Ihr Haustier wichtig ist, machen Sie dies zum Kriterium bei der Heimsuche. Ein Heim, das offen für Tiere ist, signalisiert meist auch eine allgemein menschliche und individuelle Atmosphäre.

Martin Weingart - Pflegespezialist

Über den Autor: Martin Weingart

Martin Weingart ist ein erfahrener Pflegespezialist mit über 25 Jahren Erfahrung im Schweizer Gesundheitswesen. Als Experte für Alterspflege und Betreuung berät er Familien und Institutionen und teilt sein fundiertes Fachwissen in diesem Blog, um Angehörigen und Betroffenen Orientierung und Unterstützung zu bieten.

Diesen Artikel zitieren (Quellenangabe):

Weingart, Martin (2026). Tierisch gut: Haustiere im Pflegeheim. pflege-heime.ch. Abgerufen am 05.10.2026, von https://www.pflege-heime.ch/blogs/alterspflege/tierisch-gut-haustiere-im-pflegeheim

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